So überzeugend die Vorteile des Lebens auf dem Land auch sind, sie können nicht immer die Nachteile überwiegen. Selbst wenn das Leben im Grünen den Stress reduziert, kann die lange Anfahrt zur Arbeit noch mehr Frust erzeugen. Und zugegeben: Es ist auch nicht immer schön, in einer landwirtschaftlich geprägten Umgebung zu wohnen.
Schlechtere Arbeitsperspektiven
Jahrzehntelang zog es die deutsche Bevölkerung vom Land in die Städte. Laut einer Studie des Instituts für Wirtschaftsforschung erreichte der Anteil der Landbevölkerung 2018 sogar ein historisches Tief – er lag beinahe so niedrig wie in der Hochphase der Industrialisierung in den 1870er Jahren.
Und das nicht ohne Grund: Viele Arbeitgeber siedeln sich nämlich bevorzugt in Städten an. Angestellte und Arbeitssuchende folgen dem Angebot, um die Anfahrtszeiten zu verkürzen oder mit dem Nahverkehr zur Arbeit kommen zu können
Dabei ist es gar nicht so, dass es auf dem Land keine Jobs gibt, wie man oft den Eindruck bekommt. Viele namhafte Unternehmen verlegen ihre Zentralen wegen der geringeren Miet- und Kaufpreise in Kleinstädte. So hat der IT-Riese SAP beispielsweise seinen Hauptsitz im 60.000 Einwohner zählenden Wiesloch-Walldorf. Allerdings belegen Studien des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung, dass Arbeitnehmer in einer Großstadt viel mehr verdienen.
Fehlende Infrastruktur
Ein altbekanntes Problem des deutschen Landlebens sind die fehlenden Bus- und Bahnverbindungen. Je weiter die Ortschaft von der nächsten Großstadt entfernt ist, desto schlechter ist sie mit dem Nahverkehr erreichbar. Davon sind nicht nur Arbeitnehmer betroffen, die auf ihrem Arbeitsweg aufs Auto angewiesen sind.
Auch Kinder und Jugendliche müssen oft deutlich längere und umständlichere Schulwege auf sich nehmen. Das wiederum kann ihre Schulleistung beeinträchtigen, da das Stress- und Müdigkeitsniveau dadurch steigt und zu Hause weniger Zeit und Kraft fürs Lernen bleibt.
Auch das Einkaufen kann sich auf dem Land als schwierig erweisen. Nicht in jedem Dorf gibt es einen Supermarkt – oft ist der nächste mehrere Kilometer entfernt und nur mit dem Auto zu erreichen.
Die existierenden Dorfläden oder Wochenmärkte bieten nur eine begrenzte Auswahl an Produkten und das zu wesentlich höheren Preisen als Discounter. Das kann die Lebenskosten auf dem Land schnell enorm steigern.
Letztendlich ist auch die medizinische Versorgung nicht immer optimal. Vom Fachärztemangel auf dem Land wird seit Jahren berichtet. Krankenhäuser sind oft weit entfernt. Hoch spezialisierte Abteilungen finden sich meistens erst in der nächsten Großstadt.
Selbst eine Apotheke ist nicht in jedem Dorf zu finden. Das macht das Landleben, insbesondere für ältere Menschen und Patienten mit chronischen Leiden, oft schwerer.
Landwirtschaft als Störfaktor
Ein Dorf ist oft nicht nur Wald und Wiese, sondern auch Acker und Viehzucht. Diese Tatsache unterschätzen viele Menschen, die sich für ein Häuschen im Grünen entscheiden. Du musst möglicherweise in Kauf nehmen, um 6 Uhr morgens vom Traktor des Nachbarn geweckt zu werden, der gerade sein Feld pflügt.
Dein Feierabendbier im Garten mischt sich hin und wieder mit dem Aroma von frisch verteiltem Dünger. Und am Ortsrand steht vielleicht ein großer Stall mit Kühen, denen man das Konzept der Nachtruhe nicht so leicht erklären kann. All das sind potenzielle Stressfaktoren, die dir den Spaß am Leben auf dem Land schnell verderben können.
Mehr Informationen zu den Vor- und Nachteilen des Landlebens findest du in unserem Magazin.