Fast vier von zehn (38 Prozent) hegen laut eigener Aussage ein eher positives Verhältnis zu ihren Nachbarn. Das gilt insbesondere für Hessen, wo mehr als die Hälfte der Befragten (48 Prozent) wohl ein harmonisches Miteinander pflegt. Doch es gibt hierzulande auch Schattenseiten – in Sachsen-Anhalt hat nur einer von fünf Befragten (22 Prozent) ein gutes Wort für die Nachbarschaft übrig.
Rund ein Viertel (23 Prozent) beschreibt das Verhältnis zu ihren Nachbarn als sehr positiv, während fast ein Drittel (28 Prozent) allenfalls neutral bleibt. Die jungen Erwachsenen zwischen 18 und 24 Jahren scheinen besonders streitlustig zu sein, denn hier haben 16 Prozent ein angespanntes bis sehr negatives Verhältnis. Vor allem in Bremen (11 Prozent) und Mecklenburg-Vorpommern (10 Prozent) ist ein Streit im Hausflur mit anderen Mietparteien nicht weit.
Störfaktor Nachbar: Unhöflichkeit ist eine Zier
Während sich fünf Prozent der Befragten nicht zu der Frage äußern, was sie an ihren Nachbarn stört, gibt rund die Hälfte der Befragten (49 Prozent) an, (regelmäßig) Anlass für Ärger zu haben.
Dafür sorgt auf Platz eins mit 13 Prozent vor allem das unhöfliche Verhalten der Nachbarn: nicht grüßen, die Tür vor der Nase zuschlagen und andere Unarten sorgen regelmäßig für Unmut. Insbesondere die Generation der 45- bis 54-Jährigen zeigt sich von der mangelnden Höflichkeit genervt.
Platz zwei teilen sich gleich mehrere Kandidaten auf der Hitliste der Störfaktoren: Neugierde und falsch entsorgter Müll sorgen mit 11 Prozent für Ärger. Und was ist mit dem Nachbar von nebenan, der bei Feierlichkeiten das Wohnzimmer in eine Disco verwandelt? Lautstarke Musik wird von 10 Prozent der Befragten als Störfaktor wahrgenommen, insbesondere von den 25- bis 34-Jährigen, die den Lieblingssong über oder unter sich lieber nicht mitsingen möchten.
Mit ebenfalls 10 Prozent wird das Falschparken zu einer weiteren Streitquelle. In Rheinland-Pfalz kann es deshalb schon mal zu hitzigen Diskussionen kommen (19 Prozent), während die Bremer dank ihrer Kinder oft Grund für lautstarke Auseinandersetzungen haben – 23 Prozent fühlen sich hier von Kinderlärm gestört.
Alles geht, nur der Nachbar bleibt
Eines der wohl bekanntesten Mittel, um Konflikte zu lösen, ist ein ehrliches Gespräch – so finden es immerhin 18 Prozent der Befragten sinnvoll, den Dialog mit ihren Nachbarn zu suchen und Missverständnisse auszuräumen. 10 Prozent würden hingegen gleich den Vermieter oder die Hausverwaltung informieren. Doch oftmals wird zu ganz anderen Maßnahmen gegriffen: Sei es das Schreiben eines Briefes, das Führen eines Lärmprotokolls (jeweils 6 Prozent) oder gar der Gang zur Polizei – vor allem in Mecklenburg-Vorpommern wird öfters mal die 110 gerufen (13 Prozent).
Für manche Nachbarn hört der Spaß irgendwann auf – schließlich gibt es noch die Möglichkeit eines Umzugs (5 Prozent), das Bilden einer Allianz mit anderen Nachbarn (4 Prozent) oder sogar das Einreichen einer Zivilklage und das Einschalten eines Mediators (jeweils 3 Prozent).
Immerhin geben 46 Prozent der Befragten an, dass sie keine Probleme mit ihren Nachbarn haben. Denn eine harmonische Nachbarschaft ist wie ein guter Wein – für manche reift sie erst mit der Zeit. An der repräsentativen Befragung haben zwischen dem 11. und dem 12. November 2.020 Personen aus ganz Deutschland teilgenommen.

